Das Regenwald-Gewinnspiel

Feuer im Regenwald

„Es brennt es brennt!“ schreit Naira und flattert wild umher. Das Kapuzineräffchen Felipe und seine Freundin – das Amazonenpapa-geienmädchen Naira – sind im Amazonasregenwald zu Hause. Sie teilen bunte süße Baumfrüchte oder schwingen sich durch die Lüfte – Naira fliegend und Felipe von Ast zu Ast springend. Normalerweise spielen sie gemeinsam in den Baumkronen und pfeifen und kreischen um die Wette. Aber jetzt ist Naira plötzlich ganz aufgeregt und gleich kann es auch Felipe riechen: Rauch!

Die beiden sind heute weit weg von ihren Freunden und Familien auf Entdeckungstour und erschrecken sich zu Tode, als sie jetzt Feuer brennen sehen. Das Feuer kommt von allen Seiten. Und es kommt mit dem Wind rasend schnell näher. Rundherum scheint der Regenwald nun zu brennen. Dicker beißender Qualm steigt auf und versperrt den beiden den Weg zurück nach Hause.

„Wir müssen hier schnell weg – weg vom Feuer!“, kreischt Naira und schlägt aufgeregt mit ihren grünschillernden Flügeln. Sie fliegt dem Feuer davon in die Richtung, in der der Wald noch grün ist. Dabei schaut sie sich die ganze Zeit um, ob ihr Felipe durch die Baumwipfel folgen kann. Eine wilde Flucht beginnt. Schließlich kommen die beiden an einen breiten Fluss und Naira will ans andere Ufer fliegen, da fällt ihr ein, dass Felipe ja nicht schwimmen kann. Er sitzt auf einem langen, dicken Ast über dem Wasser und kreischt: „Hier geht‘s nicht weiter!“

Der Rauch zieht schon in dicken Schwaden über den Fluss. Da taucht aus dem Dunst ein großes Schiff mit vielen bunten Containern auf und fährt flussabwärts. Naira flattert aufgeregt herum und setzt sich an den Bug. Als das Schiff am Baum vorbeifährt, in dem Felipe sitzt, ruft sie: „Spring!“ Felipe springt und landet weich auf einer Plane in einem offenen Container. Unter der Plane sind Millionen kleiner gelber Kügelchen. Naira hebt die Plane mit dem Schnabel etwas an. Schon ist Felipe unter die Plane geschlüpft. Er hat Angst davor, von den Matrosen entdeckt zu werden. Das Schiff fährt weiter und lässt den Rauch und Qualm der Brände hinter sich. Die Luft wird wieder klar. Die beiden Freunde atmen auf.

Naira pickt sich eine dieser vielen Kugeln und probiert. „Sojabohnen! Lecker schmecken die.“ Felipe nimmt gleich eine ganze Hand voll und kaut genüsslich: „Dann sind wir ja wenigstens vor dem Feuer in Sicherheit und müssen nicht hungern“. Felipe schlägt sich den Bauch voll, legt sich ins Bohnenbett und schläft sofort ein – so erschöpft ist er von der Flucht. Naira setzt sich eng neben ihn und steckt ihr Köpfchen unter ihren grünen Flügel und schläft auch bald ein.

Am nächsten Morgen erwachen die beiden, kriechen unter der Plane hervor aus ihrem Sojabohnenversteck, blinzeln in die Sonne und schauen sich um. Das Schiff hat in einem großen Hafen angelegt. Rundherum ragen riesige Metallkraniche in die Luft und drehen sich und heben neue Container und Kisten auf das Schiffsdeck. Sie überlegen gerade das Schiff zu verlassen, da dreht sich ein Stahlkranich in Ihre Richtung, eine Kette wird herabgelassen, das Sojabohnenbett dran festgemacht und noch ehe Felipe versteht was passiert, schwebt der Container durch die Luft und wird auf einen riesigen Ozeanfrachter verladen. Naira flattert hin und her um die Lage zu erkunden und eine Fluchtmöglichkeit für Felipe zu finden. Aber das Monsterschiff hat ganz glatte hohe Wände und steht weit weg vom der Hafenmauer. Diese Schlucht kann selbst ein Äffchen nicht überwinden.

Mit einem lauten „Tuuuuuuuut!“ legt das Schiff ab und bewegt sich langsam auf das offene Meer hinaus. Bald ist vom Land nur noch ein dünner grüner Streifen mit ein paar grauen, in den Himmel steigenden Rauchsäulen zu erkennen. Naira und Felipe sitzen auf der Kante des Sojacontainers und starren beide auf den verschwindenden Streifen Land und auf das unendliche blaue Meer, das weißen Wellenschaum aufwirft. „Wo fahren wir hin?“, fragt Felipe seine Freundin etwas ratlos. Das Meer haben beide noch nie gesehen. „Wir fahren sicher zu einer wunderbaren Insel“, antwortet Naira und gibt sich Mühe zuversichtlich zu klingen. „Bestimmt wird alles gut!“, fügt sie noch hinzu. Felipe nickt und pickt sich ein paar Läuse aus dem gelblichen Fell am Bauchrand.

„Hallo, kann mich wer hören? Holt uns hier raus! Hallo!!!“ Naira und Felipe erschrecken. Wer spricht da – mit einer so quietschenden, heiseren Stimme? Unter ihnen steht ein kleinerer gelblicher Container mit Gitterfenstern allein an Deck. Irgendetwas scheint sich hinter dem Gitter zu bewegen. Naira fliegt hin und klammert sich an einen Gitterstab. Im Nu hängt auch Felipe neben ihr an den Stäben. Sie starren beide ins Halbdunkel. In der Ecke ist ein großes kugelrundes „Etwas“, das aussieht wie … Ja, wie was eigentlich? Ein Fußball? Eine riesige Kokosnuss? Jetzt gewöhnen sich die Augen der beiden ans Halbdunkel und da sind noch viele weitere dieser Fußbälle – etwa 20 Stück über den Boden verteilt im Stroh. Eine Kugel mit einem Dreieck drauf rollt sich plötzlich aus, steckt sich und hat nun vier Füße und einen dreieckigen Kopf, der ein wenig nach Schaf aussieht. „Was macht ihr da an unserem Gitter?“ „Jemand hat um Hilfe geschrien: Warst du das? Und wer oder was bist du eigentlich?“, fragt Felipe. „Ich bin Armadilla. Und die anderen sind meine Freunde und Verwandten. Wir sind Kugelgürteltiere und zuerst vor den Buschfeuern geflohen. Dann wurden wir von Menschen mit Netzen gefangen und in diesen Gitterkäfig gesteckt und auf diese schwankende Riesenbadewanne gehoben. Wir wissen nicht, wo es hingeht und kriegen nur Maden und Feigen zu fressen. Aber wir sind froh, dass wir noch leben und zusammenbleiben können.“
Da stellen sich auch Felipe und Naira vor und erzählen die Geschichte ihrer Flucht vor dem großen Feuer im Regenwald und während sie erzählen, rollt sich eine nach der anderen Kugel aus und bald blicken sie 20 neugierige Augenpaare an und wollen wissen, was die beiden erlebt haben. Aber so viel gibt es da ja noch gar nicht zu erzählen – nach nur einem Tag auf der Flucht.

Da kommt ein älteres, grauhaariges Kugelgürteltier nach vorne ans Gitter, schüttelt das Stroh von seinem Panzer und begrüßt die beiden: „Hola! Ich bin Groucho, auch Großvater Groucho genannt. Wenn ihr wissen wollt, warum wir alle hier auf diesem Schiff sind und warum die ganzen Wälder brennen, dann kann ich euch eine Geschichte darüber erzählen.“ Naira flattert aufgeregt hoch, schlägt einen grün schillernden Regenbogen-Looping in der Luft und als sie wieder gelandet ist, rufen Felipe und sie wie aus einem Munde (beziehungsweise Schnabel): „Ja, bitte, bitte, erzähl uns diese Geschichte!“

Felipe drückt sein schwarzweißes Kapuzineraffenköpfchen enger ans Gitter, damit er ja nichts überhört. Auch die Kugelgürteltiere drängen sich nun eng um Groucho und dieser beginnt seine Geschichte:

„Es waren einmal Menschen, die hatten eine ganz blasse, weiße Haut. Sie lebten weit weg in einem alten Land namens Europa.“ Er macht eine Pause nach dem E und betonte das Land wie ‚E-Uropa‘.

„Dort wollten alle Menschen immer mehr Fleisch essen, weil sie dachten, wer Fleisch isst, ist reich und wird groß und stark. Sie aßen also immer mehr Schnitzel und Braten, Steaks und Würste, Chicken Nuggets und Burger und Döner und Hamburger und so weiter und so fort. Und je mehr Fleisch sie aßen, desto weniger wollten sie wissen, woher das Fleisch kam, das sie aßen und mit der Zeit vergaßen sie auch noch, dass das Fleisch einmal lebende Tiere gewesen waren und dass diese Tiere für sie und ihren Hunger nach immer mehr Fleisch getötet werden mussten.“

„Was sind Döner, Burger, Nuggets und Schnitzel?“, fragt Armadilla. „Pscht!!!“, zischen die anderen Kugelgürteltiere, die unbedingt wissen wollen, wie es weiter geht.

„Sie bauten große Fabriken für die Tiere, in denen die Tiere keinen Platz mehr hatten um sich zu bewegen, keine frische Luft, keine Sonne und kein normales Futter mehr…“

„Wie schrecklich!“, entfährt es Naira, die sich gerade vorstellt in einem engen Käfig eingepfercht zu werden und nicht einmal mehr Platz zum Fliegen zu haben.

„Was für ein Futter haben die Tiere denn bekommen?“, fragt Felipe und sehnt sich plötzlich nach einer großen, gelben, schönen Banane. Seine Kapuzineräffchenaugen blinzeln neugierig.

„Eine gute Frage!“, fährt Großvater Groucho nickend fort. „Damit die Tiere schneller wuchsen und schneller dick und groß wurden, bekamen sie jede Menge Mais und Sojabohnen zu fressen. Aber weil in Europa nicht so viel Mais und Bohnen wuchsen, holten die Menschen ganze Schiffsladungen voll Sojabohnen aus Brasilien und Argentinien und von überall her.“

Brasilien und Argentinien kannten die Kugelgürteltiere schon vom Fußballspielen her.

„So wie auf diesem Schiff hier auch!“, wirft Felipe ein und zeigt mit seinem affenlangen Ärmchen in Richtung des Sojabohnencontainers, in dem sie auf das Schiff gekommen sind.

„Ja, viele solche Container fahren täglich über das große Meer…“, möchte Groucho fortfahren. Da unterbricht ihn Armadilla: „Dann fahren wir ja auch nach E-Uropa?“

„Ja, das könnte sein…“, murmelt Großvater Groucho. Er fährt fort: „Aber nichts genaues weiß man nicht. Ich war ja auch noch nie dort und kenne es nur vom Hörensagen. Jedenfalls brauchen die Fleischesser immer mehr Fleisch und die Tierfabriktiere, die Schweine und Hühner und Puten und Rinder und Kälber immer mehr Sojabohnen. Daher sind diese kleinen Bohnen Gold wert und sehr gefragt. Die Bauern und riesigen Farmen in Brasilien brauchen immer mehr Land für ihre Bohnen und für ihre Rinder und weil das Land, das da ist, dann nicht mehr reicht… Haaaaatschi!“ Er muss niesen.

„Gesundheit!“, kreischt Naira und ist ganz aufgeregt, „Du meinst, weil das Land nicht reicht…“ Sie zögert, weil sie das nicht so richtig glauben will. „Weil das Land nicht reicht für die vielen Sojabohnen, die die vielen Schweine fressen müssen, damit sie dick werden und schnell geschlachtet werden können und als Wurst oder Steak auf dem Teller landen, deshalb stecken die Farmer den Regenwald in Brand und unsere Familien mussten jetzt sterben und wir fliehen?“ Felipe kratzt sich an seiner kapuzinerschwarzen Stirn und legt sie in Falten, weil auch er intensiv nachdenkt. Die Kugelgürteltiere starren gespannt auf Großvater Groucho.

Der schaut in die Runde, holt tief Luft und sagt langsam: „Ja.“

Als erstes erholt sich Naira vom Schreck und sie flatterte hoch und kreischt laut „Das kann nicht sein, das kann nicht sein!!! Niemand würde den wunderbaren Regenwald mit tausenden und abertausenden Pflanzen und Tieren, den Schmetterlingen und Schlangen, den Affen und Vögeln, den Jaguaren und euch Gürteltieren einfach in Flammen aufgehen lassen und unser aller Zuhause zerstören, nur wegen eines – Hamburgers???“

Alle schweigen und schauen wieder auf Groucho, der nur bedeutungsvoll nickt. Eine kleine Träne kullert aus seinem linken Auge, denn er denkt eben an seine Enkelin Juniper, die er im Buschfeuer zurücklassen musste und die wohl dort verbrannt ist. Armadilla kann seine Gedanken spüren und seufzt leise.

Felipe kratz sich nochmal am Kopf. Er denkt nach. Er schaut seine Freundin Naira an und dann in die Runde der Kugelgürteltiere: „Das ist ja schrecklich. Wir müssen etwas tun! Aber was?“

 

Kannst du Felipe und Naira helfen?

 

 

Wenn du uns helfen willst, diese Geschichte bekannter zu machen, dann mach mit bei unserem…

  • Malwettbewerb: Zeichne oder mal uns ein Bild zu einer Szene aus der Geschichte. Wir wählen die besten Bilder aus und veröffentlichen diese zusammen mit der Geschichte auf unserer Internetseite.
  • Ideenwettbewerb: Schreib uns, welche Ideen du hast, um den Tieren im Regenwald zu helfen und den Wald zu retten. Wir unterstützen dich nach Möglichkeit dabei, deine Ideen in die Tat umzusetzen!
  • Geschichtenwettbewerb: Wenn du Lust hast und gerne scheibst, kannst du auch überlegen, wie die Geschichte von Naira und Felipe weitergehen könnte. Die besten Fortsetzungen veröffentlichen wir auf unserer Internetseite.

Für die drei schönsten Bildeinsendungen, die drei besten Ideen zur Rettung des Regenwaldes sowie die drei kreativsten Geschichtenfortsetzungen, die von unserer Jury ausgewählt werden, erhaltet ihr von uns jeweils ein Buch über die Schönheit des Regenwaldes und wir spenden jeweils 50 € für den Regenwaldschutz mit einer „Wächter des Waldes“-Spendenurkunde für euch.

Die Gewinnerkinder in allen drei Kategorien erhalten jeweils eine Reise zu einem Naturerlebnispark oder Tierpark in ihrer Umgebung inkl. Hin- & Rückreise mit Zug/Bus, Eintritt/Führung und einer Übernachtung mit den Eltern und ggf. Geschwistern (gesamt je max. 300 €) und zusätzlich noch 50 € persönliches Taschengeld.

Teilnehmen können Kinder zwischen 4 und 14 Jahren aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz. Wir freuen uns, wenn möglichst viele von euch mitmachen! Natürlich könnt ihr auch als Team oder als Schulklasse teilnehmen, dann erhaltet ihr gemeinsam ein Buch und die „Wächter des Waldes“-Urkunde und – falls ihr in einer Kategorie gewinnt – 350 € für euer Team oder die Klassenkasse.

Der Wettbewerb läuft von September 2021 bis 31.12.2021. Spätere Einsendungen werden nicht mehr berücksichtigt. Die Jury besteht aus dem Vorstand und 3 Mitgliedern von „Wir für die Umwelt e.V.“. Die Gewinner/innen werden spätestens im Februar 2022 per Mail oder telefonisch benachrichtigt.

Bitte schick dein Bild, deine Idee zur Rettung des Regenwaldes oder deine Geschichtenfortsetzung mit Absender und Angabe einer Telefonnummer oder Emailadresse per Post an:

Martin Sailer
„Wir für die Umwelt e.V.“
Am Hohen Weg 10
D-82288 Kottgeisering
Deutschland