Goldmine in Französisch-Guyana

Die geplante Goldmine in Französisch-Guyana

Die französische Regierung fördert multinationale Konzerne, die eine Goldmine („Montagne d‘Or“) im unberührten Regenwald von Französisch-Guyana errichten wollen. Mit einer Fläche von 190 Quadratkilometern wäre dies die größte Goldmine, die je auf französischem Boden betrieben wurde. Das Projekt wäre ein Desaster für den einzigen tropischen Regenwald der Europäischen Union. Goldminen waren und sind verantwortlich für schwere und irreversible Schäden für Menschen und Natur, v.a. weil der Goldabbau entweder mit Quecksilber oder mit Zyaniden betrieben wird, die in Boden und Grundwasser gelangen und die Gesundheit der Einheimischen bedrohen. So war Brasilien 2015 Schauplatz eines Bergbau-“Unfalls”, der als eine der größten ökologischen Katastrophen aller Zeiten gilt. Das Projekt ist schon deswegen hochbrisant, weil mehrere ähnliche Bergbauprojekte geplant sind und die Genehmigung dieser Goldmine auch die Verwirklichung der anderen nach sich ziehen würde.

Die geplante Goldmine ist ein Skandal aus mehreren Perspektiven:

Naturschutz: der Regenwald von Französisch-Guyana ist bislang noch weitgehend unberührt – im Gegensatz zu allen anderen Ländern der Amazonasregion. Die Goldmine würde große Gebiete des Regenwalds vernichten und die benachbarten Flüsse dauerhaft vergiften, und das für einen Rohstoff, der industriell längst nicht mehr so bedeutend ist wie einst. Studien stellen sogar in Frage, ob der zu erwartende Gewinn die Kosten rechtfertigt.

Demokratie: Beim Goldabbau soll das für Mensch und Natur hochgiftige Zyanid eingesetzt werden. Das EU-Parlament hat 2010 und 2017 nahezu einstimmig (566 Stimmen für und nur 6 Stimmen gegen) für das Verbot von Zyanid abgestimmt. Die EU-Kommission hat dies beide Male ignoriert, so dass Zyanid nach wie vor nicht EU-weit verboten ist. Wie passt das zusammen mit dem Demokratieverständnis der EU? 

Arbeitsrecht: bereits 1989 verlangte die UNO, dass Frankreich die „convention 169″ (Arbeitsrechte Einheimische) ratifiziert. Das ist bis heute nicht geschehen. Die Einwohner Französisch-Guyanas haben keine Arbeitsrechte. Es ist bezeichnend, dass die Suche nach Gold mittels Zyanideinsatz nur in den Übersee-Gebieten Frankreichs erlaubt ist, in Frankreich selbst aber verboten.

Das Thema ist in Frankreich sehr bekannt und ebenso umstritten. Es gab 2018 eine öffentliche Anhörung zu dem Thema, und mehrere Organisationen (unter anderem das ‚collectif or de question‘ sowie die ‚ingenieurs sans frontières‘) leisten politische Arbeit dagegen. Macron dagegen steht nach wie vor hinter dem Projekt, das er schon 2015 (also vor seiner Wahl) unterstützt hat. In Deutschland dagegen ist das ganze Projekt so gut wie unbekannt.

Kurz vor der Europawahl im Mai 2019 sagte Macron nun, dass er das Projekt ad acta legen wolle, was der französische Umweltminister de Rugy kurz nach der Wahl bekräftigte. Viele Organisationen wie das Collectif Or de Question bezweifeln jedoch, dass es der Regierung mit der Absage ernst ist.

WIR FÜR DIE UMWELT hat zu diesem Thema recherchiert und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Unter anderem haben wir erreicht, dass der Bayerische Rundfunk im Juni 2019 zu diesem Thema berichtete.

Französisch-Guyana ist derzeit noch eines der Länder mit der höchsten Waldbedeckung weltweit. Wir dürfen nicht zulassen, dass Bergbauprojekte wie die Goldmine diesen biologischen Schatz zerstören!

Foto: F. Menzel